Demokratie-Zentrum statt NPD-Treff
In leer stehendem Möbelhaus entsteht kein KdF-Museum, sondern eine politische Bildungsstätte
Die Pläne von Stadt Wolfsburg und IG Metall haben Symbolkraft: In einem Möbelhaus, in dem die NPD auf Initiative ihres mittlerweile gestorbenen Vize-Chefs Jürgen Rieger 2009 ein KdF-Museum einrichten wollte, entsteht ein Zentrum für Demokratieförderung.
Mit der Konzeption beauftragt sind Reinhard Koch, Leiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt (Arug) mit Sitz in Braunschweig, und sein Team. Bis Ende Februar will Koch der Stadt Wolfsburg ein Nutzungskonzept vorlegen.
Eine solche Einrichtung, die auf die Vermittlung von Demokratie zielt, wäre laut Koch bundesweit einmalig: "Sie soll auf Region, Land und Bund ausstrahlen", erklärt der Rechtsextremismus-Experte auf Anfrage unserer Zeitung.
Gestern startete bei der Arug eine erste Planungsrunde. "Es geht darum, nun die Eckpfeiler festzuklopfen", so der Arug-Leiter. Noch unklar ist ihm zufolge, wie das Zentrum finanziell und personell ausgestattet sein soll. Auch der Name steht noch nicht fest. Die Arug soll aber als Anlaufstelle in Braunschweig bestehen bleiben, betonte Koch.
Mit dem Kauf des Möbelhauses hatte die Stadt jüngst den Weg für die politische Bildungsstätte geebnet. Außerdem soll das Sozialkaufhaus Lichtblick dorthin umziehen. Vorbesitzerin Rosemarie Alsdorff kündigte an, das Gebäude bis Ende Juli geräumt zu haben.
Mit Mahnwachen und Demonstrationen hatten die Wolfsburger monatelang gegen einen NPD-Treff und ein KdF-Museum in ihrer Stadt protestiert. Nach Riegers Tod Ende Oktober 2009 war es um die Neonazis stiller geworden. Das Kapitel Rechtsextremismus in Wolfsburg sei beendet, verkündete kürzlich Oberbürgermeister Rolf Schnellecke.













