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14. Februar 2012
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Angeln auf den Spuren von Huck Finn

SALZGITTER Erlebnisse am Kiesteich in Üfingen – Wenn es zu warm ist, beißen Fische nur selten an

Von Felix Mescoli

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"Was ist noch langweiliger als Angeln? Beim Angeln zuschauen!", sagt Tim Lolies, Vorsitzender des Angelsportvereins Fuhsetal, und drückt mir mit Bestimmtheit eine meterlange Rute in die Hand. Wir haben uns am Kiesteich in Üfingen zu einer abendlichen Angelpartie verabredet.

Ich nestele etwas unsicher am Gerät herum. Meine letzten Angelerfahrungen liegen weit über zwanzig Jahre zurück. Mein Vater ging damals mit mir zum Fischen in die Pfälzer Rheinauen. Die Weiden ließen ihre Zweige ins braune Wasser hängen, und wir träumten vom großen Fang und vom großen Mississippi. Mark Twains Ode an diesen romantischsten aller Flüsse, "Die Abenteuer des Huckleberry Finn", war meine Bettlektüre.

Mein Vater hatte mir damals eine Bambusangel – genau wie Huck sie benutzte – in die Kinderhand gedrückt; und jetzt soll ich mit dieser neumodischen Shimano Nexave zurechtkommen.

Überhaupt scheint mein Begleiter ein Modernist zu sein, so wie alle, die – im Gegensatz zu meinem alten Herren – kein Material aus den 60er Jahren benutzen. Lolies’ Angelkoffer ist ein Trumm aus Aluminium, das nicht nur als Sitz dienen, sondern vermutlich auch Kochen und den gesamten See ausleuchten kann. "Stimmt, aber da macht jedes Mal der Teilchenbeschleuniger schlapp", sagt Lolies. Für einen Angler – ihnen haftet ein eher eigenbrötlerisches Image an – hat der Mann einen erstaunlichen Humor.

Wenigstens die Maden, die Lolies als Köder mitgebracht hat, sind während der vergangenen zwei Dekaden offenbar die selben geblieben. "Auf was geh’n wir denn", frage ich. "Grundsätzlich versuchen wir, einen Karpfen zu fangen", verkündet Lolies. Karpfen? Na toll. Um so einen Sieben-Kilo-Fisch aus dem Wasser zu ziehen, ist man eine halbe Stunde beschäftigt. Und mittlerweile regnet es in Strömen.

Andererseits: Im Regen sitzen wir auch, solange wir nichts fangen, und die Fische halten sich bisher vornehm zurück. Nur ein riesiger Blutegel kriecht im flachen Wasser zu unseren Füßen vorbei. Blutegel, gibt es die in unseren Breiten überhaupt? "In der Natur ist alles möchlich", sagt Lolies lakonisch. Sonst tut sich nichts.

Mein erfahrener Angelführer hatte mich gewarnt: "Wenn es zu warm ist, haben die keine Lust. Da sind Fische nicht anders als wir Menschen."

Außerhalb des Wassers ist es nach dem Abebben der Hitzewelle fast schon empfindlich kühl. Über dem Wasser steigt Nebel auf. "Es wird immer idyllischer", sagt Lolies.

Nach einer Stunde haben wir noch immer nichts gefangen, dafür ist mein Blei weg. Höhnisch tanzen Mücken über unseren Köpfen, auf dem See ziehen zwei Blesshühner planlos ihre Kreise – als wollten sie uns die Sinnlosigkeit unseres Tuns vor Augen führen.

Plötzlich: Der Schwimmer an Lolies’ Angelrute zuckt. Sofort katapultiert uns ein Adrenalinstoß aus unserer Lethargie. Der Fang: Ein winziges Rotauge, kaum zehnmal größer als das Maiskorn, das Lolies als Köder dient.

Enttäuschend, aber immerhin ein Hoffnungsschimmer. Angestachelt von Lolies Erfolgen steige auch ich auf Mais um, fädele aber zusätzlich meine Geheimwaffe Caster – so bezeichnet der Angler eine verpuppte Made – auf den Haken. Da beißen sie wie verrückt.

Fehlanzeige: Ich gehe komplett leer aus. Ein Mini-Rotauge später hat Lolies einen kaum mehr beeindruckenden Barsch an der Leine. "Ist der erste Fisch ein Barsch, ist der Rest vom Tag im Arsch", gibt er eine alte Anglerweisheit zum Besten. Was für ein Glück, dass wir vorher die zwei Rotaugen hatten.

Freitag, 30.07.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/12697985/menuid/7534512
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