"Schöne Grüße sendet Dir..."
REGION Seit 140 Jahren schicken sich die Menschen Ansichtskarten Bunte Städtewerbung per Postboten
"Liebe Tante Hildegard! Uns geht es gut. Wie geht es Dir? Schöne Grüße sendet Dir..." so ungefähr lautet der Standardtext auf Ansichtskarten. Bald muss man wohl sagen "hat gelautet", denn glaubt man meiner Postbotin, dann werden immer weniger Ansichtskarten geschrieben. Wie sie das bemerkt hat? "Es ist im Sommer nicht mehr so viel Post zuzustellen", sagt sie. Und: "Schade, aber wenigstens geht es dann schneller in den Feierabend."
Dass vermutlich weniger Ansichtskarten geschrieben werden, mag daran liegen, dass das Schreiben mit Kugelschreiber, Füllfederhalter oder Bleistift aus der Mode kommt oder dass die SMS aus dem Mobiltelefon zeitgemäßer und schneller ist. Möglicherweise auch die E-Mail aus dem Internet-Café.
Apropos Café. Das ist ja der klassische Ort (gewesen), um Ansichtskarten zu schreiben. Bevor man sich niederließ, war man durch die Stadt, einen Park, ein Schloss, den Strand entlang oder durch die Berge gebummelt oder gewandert, hatte an einem Kiosk aus lauter Freude Ansichtskarten ausgesucht und im Café schließlich Kaffee und Kuchen oder ein deftiges Mettwurstbrot ausgewählt. Womöglich musste man sich von der Bedienung noch einen Kugelschreiber leihen. Und dann schrieb man los: "Liebe Tante Hildegard..." Gesundheit und Wetter oder das bedauerlicherweise nahe Urlaubsende waren die beliebtesten Themen.
Ganz am Anfang, als sie erfunden worden waren, waren Ansichtskarten eine Sensation. Man schrieb nur seinen eigenen Namen darauf und selbstverständlich die Adresse des oder der zu Erstaunenden. Geschwätzig wurde der Karten schreibende Mensch so richtig erst im 20. Jahrhundert.
Der Oldenburger Drucker und Buchhändler August Schwartz druckte als erster in Deutschland eine illustrierte Postkarte. Das war am 16. Juli 1870. Der Postbote stellte die Karte in Magdeburg zu. Von 1872 an kamen dann nach und nach Stadtansichten auf die Karten. Hauptsächlich aber waren es Anfangs gute Wünsche zum Geburtstag, zu Weihnachten und zu Neujahr.
Ansichtskarten zeigen stets den Stolz einer Stadt oder einer Region. Die Abbildungen zeigen die schönsten Impressionen.
Das hat ja einen doppelten Sinn: Der Absender zeigt, in welch reizvoller Umgebung er sich befindet, und der Adressat bekommt vielleicht Lust, die reizvolle Umgebung selbst einmal zu besuchen.
In unserer Region kann Braunschweig dabei mit Burg und Löwe und seiner Geschichte wuchern, was Wolfsburg als wesentlich jüngerer Stadt etwas schwer fällt, wenngleich sie mit dem neuesten Stand der Technik punkten kann. Gifhorn und Salzgitter empfehlen sich für die Freizeit. Peine, Helmstedt und Wolfenbüttel zeigen pittoreske Stadtkerne. Für jeden etwas, sollte man meinen.
Wenn denn noch fleißig Ansichtskarten geschrieben würden.
Meine Postbotin scheint Recht zu haben. Es schreibt kaum noch jemand. Kleiner Beweis? Man muss ausdrücklich in hiesigen Buchhandlungen oder Warenhäusern nach Ansichtskarten fragen und findet nicht selten Ladenhüter. Jahre, Jahrzehnte alt. Schade.













