Schüler vermessen den Stadtmarkt
Katasterbehörde demonstriert Messtechnik aus 250 Jahren und wirbt um Nachwuchs
Ehe 1875 der deutsche Meter eingeführt wurde, gab es im Herzogtum Braunschweig die Maßeinheit Braunschweiger Fuß (entsprach 28, 5 Zentimetern) und Braunschweiger Rute (entsprach 16 Füßen oder 4,56 Meter).
"Dieses Maß wurde per Zufall ermittelt. 16 Kirchgänger mussten damals ihre Füße hintereinanderstellen. Das ergab die Braunschweiger Rute von 4,56 Meter", berichtete Dieter Kertscher, Leiter der Behörde für Geoinformation, Landesentwicklung und Liegenschaften Braunschweig, auf dem Wolfenbütteler Stadtmarkt.
Dort konnten Schüler bei praktischen Übungen gestern historische und moderne Messgeräte aus 250 Jahren nutzen, um den Stadtmarkt auszumessen, die exakte Größe ihrer Mitschüler zu ermitteln oder den Abstand zwischen den Wetterfahnen der Hauptkirche und des Rathauses zu erkunden.
Wolfenbüttels Katasteramtsleiter Christian Bartscht erläuterte auch die derzeit verwendeten Messgeräte wie Tachymeter, das das Speichern von Daten per Laptop vor Ort in Feld und Flur ermöglicht.
Und auch das modernste Messverfahren, das 3-D-Laser-Scanning, wurde am Stadtmarkt eingesetzt. Diese Messmethode wird laut Kertscher hauptsächlich in der Architektur und bei Tunnelvermessungen eingesetzt.
Bei einem Feldversuch wurde die Braunschweiger Rute mit den Schuhen von 16 Schülern ausgemessen. Kertscher traute seinen Augen nicht, als er vom Messband 4,56 Meter ablas. Das war genau die Länge der früheren Braunschweiger Rute.
Mit ihrer eintägigen Aktion auf dem Wolfenbütteler Stadtmarkt wolle die Katasterbehörde auch um Nachwuchs werben. Kertscher: "Schon jetzt steht fest, dass in den vergangenen Jahren viel zu wenig Vermessungstechniker ausgebildet wurden."













