Viel Applaus für den Roboter-Chef
Sebastian Thrun entwickelt Fahrer-Assistenzsysteme, die für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen
BRAUNSCHWEIG. Dieser Mann will die Welt verbessern. Ziemlich ungeduldig ist er dabei, geht lieber zwei Schritte weiter, als andere ihm raten und er hat Erfolg. Professor Sebastian Thrun erhielt am Samstag den Braunschweiger Forschungspreis. Die Jury würdigte damit seine Leistung auf dem Gebiet des autonomen Fahrens und der Fahrer-Assistenzsysteme.
Erst vor einer Woche gewann sein Team mit dem Roboter-Auto Junior den zweiten Platz der Urban Challenge, dem Rennen der autonomen Fahrzeuge in Kalifornien. "Junior ist das populärste Beispiel für seine Forschung", sagte Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann (CDU) bei der Verleihung.
Warum die Jury ausgerechnet Sebastian Thrun aus den Vorschlägen für den Preis gewählt hat, erklärte TU-Präsident Jürgen Hesselbach, zugleich Vorsitzender der "ForschungRegion Braunschweig". "Sebastian Thrun passt zu uns, weil wir seine Leidenschaft teilen. Die Stadt der Wissenschaft kann sich mit ihm schmücken. Er ist als Spitzenwissenschaftler international profiliert, er bringt seine Forschung außergewöhnlich stark in die Medien und macht sie verständlich, und er hat Bezug zu unserer Region."
Diesen Bezug gibt es gleich doppelt: Erstens ist Thrun in Hildesheim aufgewachsen und hat dort studiert, bevor er in die USA ging. Zweitens hat er das Roboter-Auto Junior und dessen Vorgänger Stanley mit der VW-Konzernforschung entwickelt.
Der Leiter der Konzernforschung, Jürgen Leohold, hob in seiner Laudatio das Können der beiden Autos hervor. "Stanley musste 2005 in der Wüste bei Sandsturm und auf unwegsamem Untergrund eigenständig eine Route finden. Juniors Aufgabe war es, sich in einem städtischen Umfeld mit fließendem Verkehr zu beweisen. Beide haben ihre Aufgabe hervorragend gemeistert", sagte er.
Den Nutzen seiner Forschung formulierte Sebastian Thrun selbst. Es geht vor allem um Sicherheit. "Die Zahl der Verkehrstoten ist inakzeptabel: 6000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland, 42 000 in den USA. 95 Prozent dieser Unfälle sind auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen." An dieser Stelle könnten Fahrer-Assistenzsysteme ansetzen und helfen, die Zahl der Opfer zu senken.
Alle Menschen müssten daran glauben, dass man solche Probleme lösen kann. "Es ist wichtig, dass wir träumen können, und dass wir Träume wahrmachen, auch wenn das mit Fehlinvestitionen verbunden ist", sagte Thrun.
Als Beispiel für die notwendige Hartnäckigkeit lobte er das Braunschweiger TU-Team, das mit Roboter-Auto Caroline den siebten Platz beim Rennen in Kalifornien belegt hat. "Diese Wissenschaftler und Studenten sind die wahren Helden des Rennens. Sie sind später in die Forschung eingestiegen, sie hatten nur ein geringes Budget zur Verfügung, und sie haben es trotzdem an die Spitze geschafft."
Die regionale Stärke auf dem Gebiet der Verkehrsforschung betonte auch Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). "Hier sind diejenigen, die alle Fragen zur Mobilität beantworten können", sagte er und ergänzte: "Herr Hesselbach, wenn Sie Herrn Thrun für die TU Braunschweig gewinnen, solls an uns nicht liegen. Die nötigen Stellen werden Sie bekommen."













