Der Schatz im Timmerlaher Busch
Schnitzeljagd per Satellitenfunk: Abenteuerlustige Schatzsucher orten Verstecke mit GPS-Geräten
BRAUNSCHWEIG. Im Braunschweiger Land wimmelt es von Schätzen. Sie sind unter Brücken versteckt, klemmen in Felsspalten, liegen im Wald oder auf dem Grund eines Sees. "Geocaching" nennt sich das Freizeitvergnügen, das immer mehr Anhänger findet.
Es dämmert schon, als sich Lars Reckemeyer und Patrick Zapke auf den Weg machen. Schwere Wanderstiefel tragen sie, wasserdichte Jacken und Stirnlampen. Beide haben ein GPS-Gerät dabei – ein tragbares Navigationsgerät, das ähnlich funktioniert wie die satellitengestützten Wegweiser in Autos. Die beiden haben ein Ziel: Sie wollen den Schatz im Timmerlaher Busch finden.
"Hier ist etwas", ruft Lars Reckemeyer und geht in die Hocke. An einem moosigen Holzpfahl hat er ein Metallplättchen entdeckt. Eine Zahlenreihe steht darauf – das sind die Koordinaten. Eingetippt in das GPS-Gerät, werden sie die zwei Schatzsucher zum nächsten Hinweis führen. Und letztlich zum Schatz.
Keine zwei Stunden später sind die jungen Männer am Ziel. Reckemeyer hält eine Plastikbox in der Hand. Ein Logbuch steckt darin und lauter wertloser Kram: Ein Kugelschreiber, ein Aufkleber, ein Schlüsselanhänger. Doch Reckemeyer – im echten Leben leitet der Ingenieur die IT-Abteilung des Fraunhofer-Instituts in Braunschweig – ist keineswegs enttäuscht. Beim Geocaching geht es nicht um materielle Werte. Der Weg ist das Ziel.
Seit fast einem Jahr gehen der 35-Jährige aus Wolfenbüttel und sein Kollege Patrick Zapke (28) aus Braunschweig regelmäßig auf Schatzsuche. Mal ist es ein kurzer Ausflug in der Mittagspause, mal eine schwierigere Etappe, bei der man sich abseilen, klettern oder tauchen muss. Deutlich mehr als hundert Caches (Verstecke) gibt es im Braunschweiger Land, unter anderem an der VW-Halle, im Südsee, im Okertal und in alten Bunkern am Stahlwerk in Salzgitter. Die Schätze wurden alle von Geocachern versteckt und die nötigen Koordinaten im Internet veröffentlicht. "Das Cachen hat Suchtpotenzial", sagt Reckemeyer. 700 Verstecke hat er mit dem heutigen aufgespürt – und das in knapp einem Jahr. Sogar im Urlaub hat er Caches gesucht; in Dänemark, Schottland und im winterlichen Tschechien.
Geocaching wurde im Jahr 2000 erfunden. Der Amerikaner Dave Ulmer nutzte als Erster das ursprünglich für militärische Zwecke entwickelte Satelliten-Navigationssystem für die moderne Schnitzeljagd. Inzwischen gibt es rund um den Erdball Zehntausende von Geocachern. Jörg Bertram, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Wanderjugend: "Die unterschiedlichsten Gruppen haben das Geocaching für sich entdeckt: Abenteurer, Vereine, Familien." Menschen, die sich gerne in der freien Natur bewegen: "Geocaching ist Wandern, gewürzt mit Spiel und Abenteuer. Der Schatz ist Ziel und Belohnung zugleich", so Bertram.
Den Schatz in Timmerlah legen die beiden Männer wieder in sein Versteck – so wie 78 andere Entdecker es vor ihnen auch gemacht haben. Reckemeyer legt noch etwas in die Plastikbox: Einen Travel-Bug. Das ist ein Schatz, der auf Reisen geht. Zum Beispiel ein Plüschbär mit dem Ziel Neuseeland. Er wandert von Cache zu Cache. Die Route des Teddys verfolgen die Beteiligten dann im Internet.
GLOSSAR:
Cache : Englisches Wort für Versteck. Es wird "Käsch" ausgesprochen.
Muggel : In Anlehnung an Harry Potter werden so Menschen bezeichnet, die nicht ins Caching eingeweiht sind.
Owner: Der Besitzer eines Schatzes. Er muss seinen Cache pflegen und zum Beispiel Wegweiser erneuern.
Lost Place Cache : Das sind Caches an verlassenen Orten wie Ruinen, alten Bunkern und Industriebrachen.
www.geocaching.de













