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01. August 2010
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Klima-Forscherin: "Wir brauchen Katastrophen, um uns zu ändern"

"Streitgespräch": Wie die Wissenschaft in der Klima-Debatte wirklich tickt

Von Henning Noske

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BRAUNSCHWEIG. Wissenschaftler greifen in die Klima-Debatte ein, werden zu Sachverständigen, Zeugen, Kronzeugen. Welche Rolle spielen sie tatsächlich in der Klima-Debatte? Und welche Wissenschaft ist eigentlich dazu berufen?

Das waren vielversprechende Fragen, die jetzt auf der Tagesordnung der Reihe "Zukunftsfragen kontrovers" der TU Braunschweig standen. Eine Premiere: Die Wissenschaft beleuchtet ihre eigene Rolle im spannendsten Stück, das derzeit auf der Welt gegeben wird. Ist alles nur Show, ferngesteuert, die Wissenschaftler willfährige Instrumente von Politik und Medien?

Um es vorweg zu sagen: Die ambitionierte Veranstaltung der Gruppe "Wissen und Kritik" brachte kein Ergebnis. Sie muss wiederholt werden. Sagen wir es einmal höflich so: Es lag nicht an Professorin Antje Schwalb vom Institut für Umweltgeologie der TU Braunschweig.

Ihr Kontrahent im geplanten Streitgespräch, Dr. Hans-Jochen Luhmann vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie, entzog sich diesem. Es war sehr schwierig, ihm zu folgen. Vielleicht lag es daran, dass auch er nur höflich sein wollte.

Im Resultat jedoch erlebten die Zuhörer einen rätselhaften Abend – anstatt dass Rätsel gelöst wurden. Mit versammelter Kraft und anschließender Hintergrund-Recherche lassen sich Luhmanns Positionen so zusammenfassen:

Zwar kann kein Zweifel an einem von Menschen gemachten Klimawandel bestehen. Dieser sei sogar dramatisch, könne und dürfe nicht folgenlos bleiben. Die Klima-Forschung sei jedoch die falsche Wissenschaft, dies festzustellen.

Dies könne nur die Physik. Die Klimaforscher folgten jedoch der Zeitplanung der Politiker – und dramatisierten gewissermaßen nach Plan, die Medien im Schlepptau. So werde derzeit die Nachfolge des Kyoto-Protokolls auf dem politischen Kalender inszeniert. Das sei unter der Würde der unbestechlichen Physik.

Wie gesagt, so könnte es gewesen sein.

Antje Schwalb bedauerte daraufhin, dass sie "nur" Klimaforschung betreibe. Immerhin waren ihre Sedimentuntersuchungen von See-Böden zum gleichen Ergebnis gekommen: Klimawandel hat es in der Erdgeschichte immer gegeben, doch seit dem Beginn der industriellen Revolution heizt der Mensch durch den -Ausstoß eben kräftig mit.

War da ein Streitgespräch?

Eher nicht. Es sollte schleunigst nachgeholt werden, denn ernst ist die Sache ja. So ernst, dass Antje Schwalb sich zu einer Formulierung durchrang, die nach Luhmann nur auf Schlagzeilenwirkung abgezielt haben kann: "Wir brauchen Katastrophen, um uns zu ändern." Tatsächlich habe der Klimawandel in der Evolution stets eine starke Herausforderung bedeutet – und auch Chancen mit sich gebracht.

Wir wissen aus früheren Gesprächen mit Frau Schwalb, dass sie sich Katastrophen natürlich nicht wirklich wünscht. Sie sagt so etwas, damit sie noch verhindert werden können. Für Herrn Luhmann ist das vermutlich nicht die Aufgabe der Wissenschaft.

Darüber sollte man noch reden.

Donnerstag, 31.01.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/7910264/menuid/7534512
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