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01. August 2010
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Appelle an die Regierungen dieser Welt

Christa Christlieb leitet seit 17 Jahren Amnesty International in Salzgitter und setzt sich für die Wahrung der Menschenrechte ein

Von Katja Dartsch

BRAUNSCHWEIG. Wenn im Iran ein Jugendlicher zu Tode verurteilt wird oder in China tibetischen Mönchen Folter droht, setzt Christa Christlieb sich hin und schreibt einen Brief. Sie schreibt an die verantwortliche Regierung und fordert sie auf, Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden. Mit ihren Appellen kämpft sie im Namen von Amnesty International für die Freiheit von Menschen, gegen willkürliche Festnahmen, gegen das "Verschwindenlassen von Menschen, gegen Morddrohungen und Folter.

Seit 30 Jahren schreibt Christa Christlieb Appelle. "Das ist meine große Passion", sagt die kleine, zart gebaute Frau aus Salzgitter-Leben-stedt. Das Schicksal eines russischen Physikers hatte es ihr vor 30 Jahren angetan. Dieser hatte in der Öffentlichkeit auf Umweltsünden in seinem Land hingewiesen – und war nach Sibirien verbannt worden. "Ein bildhübscher, junger Mann und Vater dreier Kinder."

Sein Schicksal hat sie als junge Frau zutiefst bewegt: "Das war meine Initialzündung", sagt sie: Amnesty International hatte mit Christa Christlieb eine weitere Kämpferin für die Menschenrechte gewonnen. Vor 17 Jahren übernahm sie das Amt der Gruppensprecherin in Salzgitter. Sie organisiert Treffen, Informationsveranstaltungen und Ausstellungen – aktuell eine Ausstellung über Menschenrechtsverletzungen in China.

Und sie schreibt Appelle, die vervielfältigt und unterschriftsreif von ihr und ihren Mitstreitern per Rad verteilt werden. "Je mehr Briefe bei der Regierung eintreffen, desto eher bewegt sich etwas", sagt sie. Die Briefe seien ein Zeichen: Die Welt weiß, was ihr tut – hört auf damit! Und für die Betroffenen seien sie oft der letzte Hoffnungsschimmer. Für den ehemaligen Guantanamo-Gefangenen Murat Kurnaz hat Christa Christlieb ebenso gekämpft wie einst für Ken Saro-Wiwa aus Nigeria, der in den 90-ern für Schlagzeilen sorgte, als er öffentlich auf die Verschmutzung des Niger-Deltas durch die Öl-Industrie aufmerksam machte. Ken Saro-Wiwa wurde hingerichtet – mit solchen Rückschlägen müssen die Aktivisten von Amnesty fertig werden. Aber immerhin: Etwa jeder Dritte Appell ist von Erfolg gekrönt, sagt Christa Christlieb: "Das ist jedes Mal ein ganz tolles Gefühl." Auch der russische Physiker, dessen Schicksal ihr vor 30 Jahren so zu Herzen ging, war nach monatelangen Protesten wieder ein freier Mann.

Warum sie sich für Menschen einsetzt, die sie nie gesehen hat und vermutlich auch nie sehen wird? "Ein bisschen Einsatz muss man schon bringen als mündiger Bürger", sagt sie: "Auch in unserem Land durfte man einst nicht frei seine Meinung äußern. Das ist jetzt mehr als 60 Jahre her, aber wir sollten das nie vergessen."

Amnesty in Salzgitter feiert in diesem Jahr 30-jähriges Bestehen. Christlieb wünscht sich zum Jubiläum eine Nachfolgerin. 17 Jahre als Gruppensprecherin seien genug: "Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich denke: Ach, das bringt nichts, haben wir doch alles schon versucht." Ein frischer Wind sei nötig. Was aber nicht heißt, dass sie ganz aufhören will: "Ich werde so lange Appelle schreiben, bis ich keinen Stift mehr in der Hand halten kann."

Die Ausstellung über Menschenrechtsverletzungen in China ist seit gestern im Rathaus Salzgitter-Leben-stedt zu sehen.

Mittwoch, 02.04.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/8227688/menuid/7534512
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