Lauge noch stärker verseucht
Asse-Skandal weitet sich aus Untersuchungsausschuss immer wahrscheinlicher
WOLFENBÜTTEL. Die radioaktive Lauge im "Versuchsendlager" Asse II ist teilweise noch stärker belastet als bisher bekannt. Der zulässige Grenzwert für Cäsium 137 war an einer Stelle der 750-Meter-Sohle um das Elffache überschritten, teilte Niedersachsens Umweltstaatssekretär Stefan Birkner (FDP) gestern dem zuständigen Landtagsausschuss mit. Nach den Grünen fordern nun auch SPD und Linke einen Untersuchungsausschuss.
"Anders ist eine Klärung nicht zu erreichen", sagte der SPD-Abgeordnete Marcus Bosse aus Schöppenstedt. Ähnlich äußerte sich seine SPD-Kollegin Petra Emmerich-Kopatsch aus Clausthal. Sie werde ihrer Fraktion die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses empfehlen. "Jeden Tag kommen neue Sachverhalte und neue Widersprüche hinzu."
Bislang war von 77 Kubikmeter Lauge die Rede, deren zulässige Freigrenze um das Acht- bis Neunfache überschritten war. Diese kontaminierte Flüssigkeit wurde seit 2005 auf die 975-Meter-Sohle verbracht; das Umweltministerium in Hannover hat die Arbeiten inzwischen untersagt.
Jetzt hörte der Umweltausschuss von noch höheren Werten im Bereich der Kammer 6. Dieser sei bereits 2004 gemessen worden, berichtete Birkner. Andere Überschreitungen seien sogar noch früher festgestellt worden.
Über mögliche Konsequenzen für den Betreiber der Asse, das Helmholtz-Zentrum, und das Landesbergamt als Genehmigungsbehörde äußerte sich der Staatssekretär nicht. Das müsse man in Ruhe prüfen.
Zuvor hatte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) "erhebliche Zweifel" an der Kompetenz des Betreibers geäußert und damit indirekt eine Entziehung der Lizenz ins Spiel gebracht. Dem Bergamt warf er einen Gesetzesverstoß vor, weil es das Abpumpen der Lauge nicht hätte genehmigen dürfen.
Helmholtz-Sprecher Heinz-Jörg Haury wies die Vorwürfe zurück. Man habe dem Bergamt stets alle Messwerte mitgeteilt. Warum dieses dann dem Landesumweltministerium falsche Angaben gemacht habe, entziehe sich seiner Kenntnis. Haury widersprach auch Berichten, der Betreiber habe in dem Laugensumpf kontaminierte Dosimeter und Werkzeug verbracht: "Das war alles nicht belastet, sondern freigemessen."













