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12. Februar 2012
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Fachliche Verzahnung oder Entmachtung

Minister Lutz Stratmann sieht Landesmuseum auch nach Integration in neue Behörde für selbständig an

Von Michael Ahlers und Andreas Berger

Von Zentralisierung wollte Niedersachsens Kulturminister Lutz Stratmann gestern nichts wissen. "Wir müssen handeln, um die Profilbildung der Landesmuseen zu stärken", so Stratmann zum Plan, das Braunschweigische Landesmuseum mit den Schwerpunkten Archäologie und Mittelalter einem neuen Institut für Archäologie und Baudenkmalpflege in Hannover zu unterstellen.

Die Landesmuseen in Hannover und Oldenburg, Stratmanns Heimatstadt, sollen dagegen weiter direkt seinem Ministerium unterstellt bleiben.

"Das Braunschweigische Landesmuseum hat zwei Alleinstellungsmerkmale. Braunschweig ist die Stadt des Mittelalters schlechthin, und es gibt viele Exponate, die besser präsentiert werden müssen", sagte Stratmann unserer Zeitung. Zweiter Schwerpunkt sei die Archäologie. "Das archäologische Museum in Niedersachsen kann nach Expertenmeinung nur das Braunschweiger sein", meinte Stratmann. "Funde wie die Schöninger Speere müssen ordentlich präsentiert werden. Ob in Braunschweig oder Schöningen hängt vom Geld ab."

Aus der ebenfalls nötigen Professionalisierung des Landesamtes für Denkmalpflege ergibt sich laut Stratmann die neue Struktur, die das Landesmuseum dem neuen Institut unterstellt. "Mir geht es um die fachliche Verzahnung. Das Landesmuseum wird selbstverständlich selbständig bleiben", so Stratmann. "Artikel 72 der Landesverfassung ist deshalb nicht tangiert", so der Minister.

Landesgeschichte in allen Facetten zeigen

Das sehen die Braunschweiger Landtagsabgeordneten der Grünen und der SPD durchaus anders. Gabriele Heinen-Kljajic von den Grünen sprach von Schnellschüssen, die ohne die Beteiligung der Museen zustande gekommen seien. Dies sei ein Affront gegenüber den Leitern. Die Schwerpunktsetzung widerspreche der Idee eines Landesmuseums, Landesgeschichte in allen Facetten in einem Haus zu präsentieren.

"Das ist eine weitere Entmachtung einer Braunschweiger Kulturinstitution", erklärte der SPD-Landtags-
abgeordnete Klaus-Peter Bachmann. "Das ist die jüngste Blüte des immer stärkeren Zentralismus dieser
Regierung."

Auch der Braunschweiger Historiker Ernst-August Roloff hält die Eingliederung in ein neues Institut für bedenklich. "Das ist eher ein Amt. Ein Museum als Behörde aufzufassen ist völlig falsch." Das Wort "weisungsbefugt" zeige deutlich, worauf die Reform hinauslaufen solle. "Über Finanzen und Personal wird dann in Hannover entschieden."

Statt dieser Zentralisierung wünschte er sich ein Regionalisierungskonzept, bei dem die Museen der Region, also auch das Städtische Museum Braunschweig, in eine neue Konzeption eingebunden würden.

Zumindest übergangen fühlen sich auch CDU-Abgeordnete wie Hennig Brandes, immerhin im Landtagsausschuss für Wissenschaft und Kultur, und Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann. Beide wurden erst gestern informiert. "So neu ist das Thema nicht, Expertengespräche gab es schon vor einem Jahr", beharrt Stratmann.

Brandes bemühte sich aber auch, an den neuen Plänen etwas Gutes zu finden. "Zum regionalen Alleinstellungsmerkmal kommen mit Archäologie und Mittelalter auch fachliche, das ist durchaus eine Chance zur Stärkung." Für neue Aufgaben werde es zusätzliches Geld und Personal geben müssen.

Braunschweigs Landesbischof Friedrich Weber hat zwar Sympathien für die Konzentration von Fachwissen, also auch für Spezialmuseen, "aber hier passt das geografisch doch nicht", sagt er.

Regionale Identitäten sind Niedersachsens Charme

Die Ursprungskonzeption des Landesmuseum sei auf die Geschichte einer Region mit klarer Identität zugeschnitten. "Und diese Region hat auch einen starken politischen Willen, wie man an der Durchsetzung der Landessparkasse sehen konnte. Wenn man ihr den Ort nimmt, an dem sie ihre Geschichte nacherleben kann, geht das an die Wurzel."

Aus seiner Zeit als Pastor in Ostfriesland kenne er die starken regionalen Identitäten in Niedersachsen. "Das macht den Charme dieses Landes aus. Manchmal hat man den Eindruck, die Regierung sieht das eher als Schaden, denn als Reichtum."

Mittwoch, 02.07.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/8720590/menuid/7534512
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