"Der Minister macht einen unnötigen Kriegsschauplatz auf"
Auch CDU-Politiker kritisieren die Museumspläne von Niedersachsens Kulturminister Lutz Stratmann
BRAUNSCHWEIG. Gestern erläuterte Kulturminister Lutz Stratmann seine Pläne zur Umstrukturierung der niedersächsischen Museumslandschaft im CDU-Fraktionsvorstand. Sehr zufrieden schienen die Abgeordneten nicht. Rückendeckung gabs von Ministerpräsident Christian Wulff.
"Der Minister macht einen unnötigen Kriegsschauplatz auf", sagte nach der Sitzung CDU-Fraktionsvize Heidemarie Mundlos unserer Zeitung. Die Unterordnung des Braunschweigischen Landesmuseums unter ein neues Landesinstitut für Archäologie und Baudenkmalpflege in Hannover könne sie nicht nachvollziehen. "Warum unterstellt man die Archäologie nicht dem Landesmuseum?", so Mundlos.
Heute tagt der Arbeitskreis Wissenschaft und Kultur der CDU-Landtagsfraktion. Die Sitzung mit Stratmann soll für alle regionalen CDU-Abgeordneten offen sein. "Es kann nicht sein, dass alles, was das alte Braunschweiger Land betrifft, nicht bei uns entschieden werden kann", sagte auch der CDU-Landtagsabgeordnete Carsten Höttcher.
Dagegen verteidigte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) die Pläne Stratmanns. "Wir machen zu wenig aus den Museen", sagte Wulff unserer Zeitung. "Ob das Landesmuseum dem Ministerium untersteht oder einem Landesamt, macht keinen Unterschied."
Jochen-Konrad Fromme, Braunschweiger CDU-Landesverbandschef und Bundestagsabgeordneter, sagte unserer Zeitung in Berlin: "Mir leuchtet der Sinn des Plans überhaupt nicht ein. Es wird nur zusätzliche Bürokratie geschaffen." Der Braunschweiger CDU-Bundestagabgeordnete Carsten Müller: "Ich bin skeptisch. Das Konzept ist nicht ausgegoren. Die Landesregierung wäre gut beraten, die nötige Sensibilität zu zeigen und den Plan inhaltlich zu unterfüttern."
Der Braunschweiger Kulturausschussvorsitzende Wolfgang Sehrt (CDU) gab sich kämpferisch: "Wir haben die verfassungsrechtliche Garantie, dass das Braunschweigische Landesmuseum selbständig bleiben muss. Stratmanns Plan ist eine Zurücksetzung unseres Hauses. Aber wir haben ja einen starken Oberbürgermeister, der sich durchzusetzen weiß, wenn an den Grundfesten der braunschweigischen Identität gerüttelt wird."
Oberbürgermeister Gert Hoffmann (CDU) will deshalb als Präsident der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz eine Sondersitzung des Verwaltungsrates einberufen, zu dem auch Annette Schwandtner als zuständige Abteilungsleiterin des Ministeriums gehört. Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU), Vorsitzender der Braunschweigischen Landschaft, mahnte, man müsse sich nun mit den Museumsdirektoren zusammensetzen und konkret werden, falls es Verlagerungen von Objekten geben sollte.
Die regionalen SPD-Vertreter lehnten Stratmanns Pläne übereinstimmend ab. Sigmar Gabriel, Chef des SPD-Landesverbands Braunschweig und Bundestagsabgeordneter: "Ich kann vor der Umsetzung des Konzeptes nur warnen. Es ist kulturpolitisch und regionalpolitisch falsch: Mit dem Konzept würde die lange Braunschweiger Landesgeschichte auf unglaubliche Weise verkürzt. Zudem hat das Landesmuseum eine großen Beitrag zur Identitätsbildung der Region geleistet."
Für die Braunschweiger SPD-Bundestagsabgeordnete Carola Reimann tut Hannover zurzeit alles, um die alten Animositäten zwischen Braunschweig und Hannover am Leben zu halten und zu fördern. "Ein Museum führt man aber nicht wie eine Behörde: Gerd Biegel ist ein leidenschaftlicher Macher."













