Die gleiche Idee nur besser verkauft
Kulturminister Lutz Stratmann glättet Wogen der Empörung, hält aber an seinen Plänen fest
BRAUNSCHWEIG. Empfangen wurde er mit Buh-Rufen und Pfiffen: Mitarbeiter der Landesmuseen gaben dem Kulturminister gestern unmissverständlich zu verstehen, was sie von seiner Informationspolitik hielten.
Knapp zwei Stunden nahmen ihn anschließend die Mitglieder des Stiftungsrats der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz in die Zange. "Wir haben Minister Stratmann nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst", sagte Direktor Tobias Henkel im Anschluss. Es sei ein offenes Gespräch gewesen: "Jetzt sind wir beruhigt."
Dem Minister ist es in Braunschweig gelungen, die Wogen der Empörung zu glätten, ohne dass er von seinen ursprünglichen Plänen Abstand genommen hätte. Er hat sie nur geschickter verkauft: "Wir müssen die Denkmalpflege und die Archäologie in Niedersachsen neu aufstellen. Das ist klug: Wir haben viel zu bieten, machen aber zu wenig daraus", warb er für seine Idee.
Das Braunschweigische Landesmuseum erhält nach seinem Willen eine neue Abteilung mit archäologischem Schwerpunkt. "Dadurch stärken wir die Stärken des Museums", so Stratmann. Und weiter: "Es braucht ein Dach, unter dem fachlich abgestimmt und koordiniert wird."
Deshalb sei es nötig, das Landesmuseum in ein neues Institut einzuordnen, zusammen mit dem Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.
Mehrfach betonte Stratmann, es handele sich ausschließlich um inhaltliche Änderungen: "Es werden keine neuen Verwaltungsstrukturen geschaffen. Es gibt keinen Anlass, sich Sorgen um Arbeitsplätze zu machen. Das Landesmuseum verliert seine Eigenständigkeit natürlich nicht. Braunschweig hat weiterhin ein starkes Landesmuseum mit einem starken Direktor."
Dieser starke Direktor, Gerd Biegel, nahm an der gestrigen Sitzung nicht teil, obwohl er beratendes Mitglied des Stiftungsrats ist. "Vielleicht war ihm der Termin zu kurzfristig", überlegte Stratmann. Doch der wahre Grund war ein anderer: Biegel nahm nicht teil, weil er sich für befangen hält. Es gehe schließlich auch um seine Person, erklärte er unserer Zeitung. Dabei hätte er sich ein dickes Kompliment vom Minister abholen können: "Herr Biegel ist ein hervorragender Protagonist für Landesgeschichte."
Bedeckt hielt sich der Minister hingegen dazu, wie die archäologische Abteilung hochwertig bestückt werden soll. Das Inhaltliche sei Sache der Fachleute. "Jedenfalls sollen interessante Objekte nicht mehr jahrelang in Kellerarchiven rumliegen." Auch die vor drei Jahren gefundene Moorleiche Moora könne interessant für Braunschweig sein. Bei den Schöninger Speeren sei abzuwarten, ob sie am Fundort im Kreis Helmstedt präsentiert werden könnten oder besser im Landesmuseum aufgehoben wären: "Das hängt auch von den Kosten ab. Es muss sichergestellt werden, dass die Ausstellungsstätte der Speere die klimatischen und konservatorischen Bedingungen erfüllt."
Die Mitglieder des Stiftungsrats zeigten sich gestern beruhigt. Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Gabriele Heinen-Kljaiic, kann das nicht nachvollziehen. "Mir leuchtet nach wie vor nicht ein, warum ein neuer archäologischer Schwerpunkt dazu führen muss, dass das Landesmuseum einem Institut unterstellt wird." Sie vermutet eine Personalie dahinter: "Die Braut wird geschmückt. Das Institut soll attraktiv werden für seinen neuen Leiter und das Braunschweigische Landesmuseum ist die Beigabe."













