"Das ist ein Angriff auf die braunschweigische Identität"
Ehrenbürger Gerhard Glogowski droht Ministerium mit einer Verfassungsklage
Herr Glogowski, seit zwei Wochen sorgen die Museumspläne des Ministers für ungeheuren Wirbel. Spielt es überhaupt eine Rolle, ob das Landesmuseum einem Institut für Archäologie und Denkmalpflege angehört oder nicht?
Das Thema ist absolut wichtig. Es handelt sich um einen Angriff auf das Herzstück der braunschweigischen Identität!
Es ist doch so: Die Kraftquelle unserer Region ist die braunschweigische Identität. Und das Braunschweigische Landesmuseum ist eine der zentralen Institutionen, die diese Identität mit Leben füllt, weil sie die Geschichte des alten Braunschweigischen Landes erzählt. Museumsdirektor Gerd Biegel ist die optimale Personifizierung dieser Identität.
Die Landesregierung hat durch verschiedene Angriffe in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, dass sie diese Identität bewusst schwächen will und auf Zentralisierung setzt.
Was konkret kritisieren Sie an dem Plan, das Landesmuseum in ein Institut zu integrieren?
Es ist ein Angriff auf eine von der Verfassung geschützte Institution. Die Bezeichnung "Institut" ist doch Schönmalerei. Es handelt sich um nichts anderes als um eine dem Ministerium nachgeordnete Landesbehörde. Und das ist eindeutig verfassungswidrig. Das würde unser Landesmuseum schwächen.
Inwiefern?
Weil das Landesmuseum nicht mehr das Ministerium als direkten Ansprechpartner hat, sondern der Chef der neuen Landesbehörde der wiederum eigene Interessen verfolgen wird zwischen beiden vermittelt. Das heißt: Es gibt keine unmittelbare Kommunikation mehr. Alles wird gefiltert und verwässert. Das Landesmuseum hat nicht mehr dieselbe Durchschlagskraft wie bisher.
Zudem ist der Leiter einer solchen Behörde nur bedingt entscheidungskompetent er kann keine politischen Prioritäten setzen und ist an den Landeshaushalt gebunden.
Was wollen Sie dagegen tun?
Ich lasse zurzeit prüfen, ob der Stiftungsrat der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz berechtigt ist, Verfassungsklage zu erheben. Dazu müssen wir außerdem die konkrete Vorlage des Ministeriums abwarten: Bisher gibt es nur eine Pressemitteilung, und vieles wurde bewusst im Unklaren gelassen.
Minister Lutz Stratmann hat doch gestern betont, das Landesmuseum bleibe eigenständig
Die Absichtserklärung des Ministers klingt erstmal toll, entspricht aber nicht der beabsichtigten Regelung. Aber wenn wir nicht aufpassen,
bekommen wir am Ende keine
Sahnetorte, sondern nur Magerquark.
Minister Stratmann hat gesagt, der Leiter des neuen Instituts soll ausschließlich über die neue archäologische Abteilung des Landesmuseums entscheiden. Die Präsentation der braunschweigischen Geschichte bliebe komplett in Braunschweiger Hand.
Wenn das so ist, muss die Frage erlaubt sein, warum nicht alles so bleibt, wie es ist? Dann könnte man für diese Aufgaben einen Koordinator bestimmen. Dazu muss es keine institutionelle Änderung, keine neue Landesbehörde geben.
Man kann es auch nicht klar voneinander trennen: Wer wird zum Beispiel bestimmen, was wo und in welchem Umfang ausgestellt wird? Die braunschweigische Landesgeschichte muss in der guten Stube präsentiert werden und nicht im Hinterzimmer!
Was halten Sie denn von der grundsätzlichen Idee, dem Landesmuseum einen archäologischen Schwerpunkt zu geben?
Salopp gesagt: Ob eine Moorleiche dort gezeigt wird oder nicht, ist nicht mein Thema. Ich weiß nur: Wir müssen unheimlich aufpassen, um im entscheidenden Moment handeln zu können. Wenn wir uns jetzt nicht wehren, wird man uns übertölpeln.













