"Ein paar Münzen reichen nicht"
Interview mit dem Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber zum niedersächsischen Museumsstreit
Friedrich Weber, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig, würde einen archäologischen Schwerpunkt in Braunschweig begrüßen. Aber anders, als das Kulturministerium ihn derzeit plant das verrät er im Interview mit Katja Dartsch.
Herr Weber, warum pocht der Stiftungsrat darauf, dass das Landesmuseum eigenständig bleibt?
Das ist eine Frage der Bedeutsamkeit. Wenn man viel mit Verwaltungen zu tun hat, weiß man: Wenn das Landesmuseum wie bisher direkt dem Ministerium unterstellt ist, hat das eine ganz andere Wertigkeit, als wenn noch eine Stelle zwischengeschaltet wird. Das ist eine klare politische Aussage.
Was bisher auf dem Tisch liegt, ist sehr bescheiden und rätselhaft. Wer bestimmt über den Etat? Wer über Sonderausstellungen? Das sind wesentliche Punkte, die geklärt werden müssen und die sich auf Inhalte auswirken. Wir haben die Zusage des Ministers, dass die weitere Planung mit dem Stiftungsrat abgestimmt wird.
Die Mitteilung des Ministeriums, die Museumslandschaft neu aufzustellen, hat alle überrascht.
In der Tat. Man ist mit diesen Plänen an die Öffentlichkeit gegangen, bevor ein klares Konzept vorlag. Dafür hat sich Herr Stratmann im Stiftungsrat entschuldigt. Den Grund für die Eile hat er nicht genannt entweder war es ein Lapsus oder es steckt ein politisches Ziel dahinter.
An welches Ziel denken Sie?
Im für uns ungünstigsten Fall wäre es die Überzeugung der Landespolitik, dass die Zeit der alten Länder endgültig vorbei ist und das Land Niedersachsen 62 Jahre nach seiner Gründung als Ganzes voran gebracht werden soll. In diesem Fall wäre es der bewusste Versuch, das Landesmuseum als identitätsstiftende Institution zu schwächen.
Wenn dies so ist, würde ich es begrüßen, wenn offen darüber gesprochen würde und nicht klammheimlich Pläne geschmiedet werden.
Was bringt Sie zu dieser Annahme?
Was in der Museumslandschaft geschieht, ist auch auf anderen Ebenen zu beobachten. Überall gibt es Bestrebungen der Zentralisierung. Ich erinnere an die Diskussion über die Neuordnung der SPD-Bezirke und an die Versuche vor zwei Jahren, die Kirchenlandschaft zu verändern. Es gab massive Interventionen, die Zahl der Landeskirchen zu verringern und größere Einheiten zu bilden.
Man sollte aber nicht von der Maxime "Big is beautiful" ausgehen. Eine Kleingliederung muss nicht gleich provinziell sein sie kann auch Vorteile haben.
Könnten die Pläne mit dem Direktor des Landesmuseums zu tun haben? Will man ihn loswerden?
Nein, das würde man geschickter anstellen. Herr Biegel ist vielleicht manchmal unbequem, aber sehr kreativ. Er leistet gute Arbeit. Ihm ist nichts vorzuwerfen.
Was halten Sie von dem Plan, dem Landesmuseum einen archäologischen Schwerpunkt zu geben?
Einen archäologischen Schwerpunkt in Braunschweig kann ich mir gut vorstellen. Fraglich ist, ob es eine archäologische Abteilung im Landesmuseum sein muss.
Haben Sie eine bessere Idee?
Gut vorstellen könnte ich mir, ein archäologisches Institut an die TU Braunschweig zu koppeln.
Ergänzt werden müsste es um eine volksnahe Ausstellung, etwa im neuen Haus der Wissenschaften. Sie muss von hoher Qualität sein die landesweit besten Stücke müssen dort ausgestellt werden. Ein paar Münzen und Schöninger Speere reichen nicht.
Inwiefern ist der Stiftungsrat der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz überhaupt von den Museumsplänen betroffen?
Die Stiftung hat die Aufgabe, die kulturellen und historischen Belange des ehemaligen Landes Braunschweig zu wahren und zu fördern. Wird die Museumslandschaft verändert, droht eine Teil-Demontage des ursprünglichen Stiftungszwecks.













