Strafanzeige: "40 Jahre Mauschelei in Asse II"
WOLFENBÜTTEL. Der Rechtsanwalt Gerhard Nolle aus Nortorf bei Kiel klagt wegen Gewässer- und Bodenverunreinigung, unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen und weiterer Vergehen im ehemaligen Bergwerk Asse II. Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig hat er Anzeige gegen unbekannt erstattet.
"Die Verantwortlichen müssen an den Füßen gepackt werden", fordert der Atomkraftgegner. Nolle will erreichen, dass sich die Staatsanwaltschaft der Sache annimmt. Diese prüft bereits seit drei Wochen, Ermittlungen einzuleiten. Nolles Sorge: "Nach 40 Jahren Mauschelei wird sich kaum noch nachvollziehen lassen, wer dafür verantwortlich war in Politik und Verwaltung."
Derweil stellte sich gestern heraus, dass Betreiber, Behörden und Landesumweltministerium offenbar schon seit langem mit dem Auftauchen verstrahlter Lauge im Atommüll-Endlager Asse II gerechnet haben. Das Landesbergamt forderte bereits im Februar 2002 den Betreiber GSF Vorgänger des Helmholtz Zentrums auf, "Konzepte für mögliche Sicherungsmaßnahmen im Fall einer radioaktiven Kontamination der Laugen vorzulegen". Dies ergibt sich aus Akten des Umweltministeriums. Danach war auch der damalige Ressortchef Wolfgang Jüttner (SPD) einbezogen seine Anmerkungen in grüner Tinte weisen darauf hin. Die SPD-Fraktion wollte dies gestern nicht kommentieren.
Der Präsident des Landesbergamtes, Lothar Lohff wies unterdessen Vorwürfe zurück, seine Behörde habe die teils um das Elffache überschrittenen Grenzwerte von Cäsium 137 nicht rechtzeitig an das Ministerium gemeldet. Das Bergamt habe selbst erst im November 2007 davon erfahren. Das Helmholtz- Zentrum hatte wiederholt behauptet, sämtliche Messprotokolle an das Bergamt weitergeleitet zu haben.













