Mitarbeiter fürchten, dass das Landesmuseum zerschlagen wird
Offener Brief an Christian Wulff: Die Verantwortlichen haben keine Ahnung
BRAUNSCHWEIG. Die Mitarbeiter der Landesmuseen Braunschweig wollen Klarheit. Vor Wochen hat das Kulturministerium angekündigt, die niedersächsische Museumslandschaft umzustrukturieren. Seitdem fürchten die Mitarbeiter um die Eigenständigkeit ihres Museums auch wenn Minister Lutz Stratmann in Braunschweig versichert hat, diese sei nicht gefährdet.
Mitarbeiter und Personalrat fordern ein klares Konzept und ihre Einbeziehung in die Pläne. Sie erinnern in einem offenen Brief an Ministerpräsident Christian Wulff daran, dass die Braunschweiger Museumslandschaft erst im vergangenen Jahr umstrukturiert wurde.
Wulff wird erst heute von seiner Balkan-Reise zurück in Hannover erwartet. "Noch hat er den Brief nicht gelesen. Aber die Mitarbeiter werden eine Antwort erhalten", sagte gestern Regierungssprecher Olaf Glaeseker in Hannover.
Auszug aus dem Brief:
"Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Wulff, wir wenden uns in der Frage der Gründung eines Instituts für Denkmalpflege und Archäologie in Niedersachsen vertrauensvoll an Sie, da der zuständige Minister, Herr Lutz Stratmann, seit Monaten einer sachlichen Diskussion aus dem Wege geht.
Der jetzt bekannt gewordene Entwurf einer Kabinettsvorlage vom August 2008 bestätigt unsere Befürchtungen, dass das Braunschweigische Landesmuseum zerschlagen werden soll. Denn dieses bisher eigenständige landesgeschichtliche Museum soll in einem archäologischen Institut aufgehen und die Landesgeschichte nur als Anhängsel (vorerst?) erhalten bleiben.
Die Zusammenlegung der drei staatlichen Museen in Braunschweig zum Betrieb Niedersächsische Landesmuseen Braunschweig im Jahr 2007 wird rückgängig gemacht. Die mit viel Mühe entstandenen neuen Strukturen, die in einem im Frühjahr 2008 vom Ministerium akzeptierten Organigramm festgeschrieben wurden, sind damit gegenstandslos.
Davon sind nicht nur die Mitarbeiter des Braunschweigischen Landesmuseums, sondern auch die des Staatlichen Naturhistorischen Museums und des Herzog-Anton-Ulrich-Museums betroffen, was zu großer Besorgnis der Beschäftigten führt mit erheblichen Konsequenzen für die Arbeitsfähigkeit in den Häusern.
Offensichtlich haben die Verantwortlichen im Ministerium kaum eine Vorstellung von der Bedeutung und dem Umfang der landesgeschichtlichen Sammlungen. Für die jetzt vorgesehene Umstrukturierung sind Kosten in Millionenhöhe über den laufenden Etat zu erwarten. Die gerade aufgewendete und vom Ministerium bewilligte sechsstellige Summe für die Neu-Präsentation des Bereichs Mittelalter müsste als teure Fehlinvestition verbucht werden.
Durch die nicht stattfindende Diskussion stellt sich die Frage, ob hinter den Plänen des Ministeriums etwa der Wunsch steht, auf diese Weise die braunschweigische Landesgeschichte zu entsorgen und damit Arbeitsplätze zu gefährden."













