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09. Februar 2012
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"Kein Anreiz, das Auto stehen zu lassen"

Geplante Preiserhöhungen der Verbundgesellschaft stoßen auf strikte Ablehnung und Zustimmung

Von Thomas Stechert und Jörn Stachura

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BRAUNSCHWEIG. Erste Reaktion auf die angekündigte Preiserhöhung bei Bussen und Bahnen in der Region fielen höchst unterschiedlich aus. Sie reichen von strikter Ablehnung bis zu Verständnis.

DGB-Regionsvorsitzender Joachim Barchmann: "Eine Erhöhung um knapp 5,3 Prozent ist happig. Sie liegt deutlich über der letzten Rentenerhöhung. Doch sie trifft natürlich auch Arbeitgeber. Viele sind einfach auf Busse und Bahnen angewiesen. Offenbar sind die Dimensionen der Preissteigerung aus den Augen verloren worden. Wenn Gewerkschaften 5,3 Prozent mehr Lohn für Mitglieder fordern, wird ihnen sofort vorgehalten, sie handelten überzogen."

Michael Walther, Verkehrsexperte beim Verein Braunschweiger Forum:  "Ich frage mich, warum die Politik es zulässt, dass der Kauf von Bussen nicht gefördert wird. Das treibt die Fahrpreise tatsächlich in die Höhe. Steigende Energiepreise kann man aber nicht als Grund der Preiserhöhung anfügen. Denn sie steigen nicht, sie fallen. Es wird schwer, dies den Fahrgästen zu erläutern. Grundsätzlich vermisse ich jedoch ein Konzept, wie man eigentlich neue Fahrgäste gewinnen will? Zwischenzeitlich waren die Benzinpreise gestiegen und viele Autofahrer hatten überlegt, auf Busse und Bahnen umzusteigen. Nun fallen die Kraftstoffpreise, aber die Preise für Bus- und Bahnfahrkarten steigen. So bewegt man niemanden, das eigene Auto stehen zu lassen. Mit solchen Preisrunden entfernen wir uns vom ursprünglichen Ziel, den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken und etwas für den Klimaschutz zu tun."

Carsten Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Verkehrs-AG Braunschweig:  "Wer mit Fahrgästen und Mitarbeitern der Verkehrsbetriebe spricht, der merkt schnell, dass die Fahrpreise zwar nicht als teuer betrachtet werden, dass wir uns aber am oberen Ende des Vertretbaren bewegen. Die Verbandsgesellschaft der Verkehrsbetriebe der Region, die dem Land die Fahrpreise vorschlägt, ist in der sehr komfortablen Situation, nichts mit den Fahrgästen zutun zu haben und die Preise nicht am Markt durchsetzen zu müssen. Obwohl die Verkehrs-AG größter Verkehrsbetrieb in der Region ist, hat sie nur eine Stimme im Verband. Ich bin ein wirklich überzeugter Verfechter des Regionalgedankens, und ein einheitliches Tarifsystem in der Region ist eine wichtige Klammer. Aber in Braunschweig wird von unserer Verkehrs-AG zum Beispiel das so genannte Braunschweig-Ticket angeboten. Es hat mittlerweile den teureren den 10-er Karten des Tarifverbunds den Rang abgelaufen. Ich werde darauf drängen, dass die Verkehrs-AG weitere Produkte anbietet, um das Fahren von Bussen und Bahnen in der Stadt Braunschweig zu attraktiven Preisen zu ermöglichen."

Bernd Meyer, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig:  "Die Unternehmen im Verkehrsverbund sind erfahren im öffentlichen Nahverkehr. Wenn sie solche Preiserhöhungen vorschlagen, ist das sicherlich betriebswirtschaftlich gerechtfertigt. Ansonsten müssten die gestiegenen Kosten durch höhere Subventionen aufgefangen werden. Die Unternehmen sind sehr seriös und als hart kalkulierend bekannt. Sie kennen den Markt. Im Zweifel würden sie sicher lieber gern auf Preiserhöhungen verzichten."

 

FAKTEN:

Das Verbundgebiet besteht aus den Landkreisen Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine und Wolfenbüttel sowie aus den Städten Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg. Zusätzlich sind die Bahnhöfe Hämelerwald und Dedenhausen angeschlossen.

Das Tarifgebiet gliedert sich in 48 Tarifzonen, die in der Regel den Gemeindeflächen entsprechen.

Mittwoch, 05.11.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/9388204/menuid/7534512
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