Junge Testkäufer am Alkohol-Regal
Polizei will Missbrauch durch Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Kommunen entgegensteuern
Braunschweigs Polizeidirektion schlägt Alarm: Immer mehr Kinder und Jugendliche verüben Rohheitsdelikte wie Körperverletzung oder Raub. Und immer mehr Minderjährige stehen bei diesen Straftaten unter Alkoholeinfluss.
"Der Alkoholmissbrauch unter Kindern und Jugendlichen hat drastisch zugenommen", sagt Polizeipräsident Harry Döring. Er stützt sich auf nüchterne Zahlen: Bei 4600 kontrollierten Kindern und Jugendlichen in diesem Jahr in der Region zählten die Polizeibeamten mehr als 70 Kinder und 2000 Jugendliche, die betrunken waren – quer durch alle Gesellschaftsgruppen, Jungen wie Mädchen.
"Diese Zahlen sind sehr beunruhigend", sagt Döring. Und er fragt: "Merkt denn niemand, wenn Kinder und Jugendliche vollgesoffen sind?"
Für die Polizei in der Region ist die Bekämpfung der Straftaten unter Alkoholeinfluss insbesondere Minderjähriger ein Schwerpunkt. Mit einer neuen Initiative soll ein weiterer Beitrag zur Prävention geleistet werden: Alkohol-Testkäufer sollen in Kiosken und Märkten den Umgang mit Alterskontrollen prüfen. Junge Fachoberschüler der Polizei und Auszubildende der Kommunen werden in den nächsten Wochen testen, ob ihnen ohne Vorlage ihres Ausweises harter Alkohol verkauft wird.
"Wir wollen das Verkaufspersonal nicht vorführen", betont Döring, "wir wollen wachrütteln, auf das Problem aufmerksam machen." Braunschweig und Goslar hätten bereits ihre Teilnahme an dieser Präventionsaktion zugesagt.
Das Ergebnis einer vergleichbaren Aktion in Hannover: Bei 77 Testkäufen in Supermärkten, Kiosken und Tankstellen hätten junge Polizeischüler in 71 Fällen harte Alkoholika problemlos kaufen können – ohne Alterskontrolle.
Der Verkauf an unter 18-Jährige ist eine Ordnungswidrigkeit und wird mit 75 Euro Bußgeld geahndet. Döring betont: "Die Kontrollen sollen uns keine Einnahmen bringen, wir wollen Straftaten verhindern."
Alkohol mache nicht nur aggressiv, viele betrunkene Jugendliche würden auch zu Opfern. Polizistin Ines Fricke nennt Beispiele: "Sie werden ausgeraubt oder auch sexuell ausgenutzt." Häufig tauchten im Internet peinliche Fotos betrunkener Jugendlicher auf, die weitreichende Konsequenzen haben könnten.
Die Testkäufe seien ein Baustein in einer Reihe von Aktionen gegen Jugend-Alkoholismus. Die Polizei könne das Problem allerdings nicht allein lösen.
"Wir verstehen uns als Motor", erläutert Döring. Er möchte weitere Kommunen, Vereine und andere Organisationen für die Sache motivieren. Die vielerorts betriebene Präventionsarbeit sei gut, müsse aufgrund der Entwicklung aber noch gesteigert werden.
Döring appelliert an die Erwachsenen, ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden. Bevor man pauschal über die Jugend schimpfe, sollte man nicht vergessen, wer sie erzogen habe. Kinder und Jugendliche müssten mit speziellen Angeboten gezielter angesprochen werden.













