BZV
newsclick
Suchen
12. Februar 2012
2-Tage-Vorschau

Frauen der Welfen – Liebe und Hass

Zwölf Porträts welfischer Prinzessinnen, Herzoginnen, Königinnen und Zarinnen

Von Thomas Parr

zoom
Großansicht Großansicht
zoom
Großansicht Großansicht

BRAUNSCHWEIG. Geschichte wurde mit wenigen Ausnahmen von Männern geschrieben. Geändert hat sich das erst im 20. Jahrhundert. Aber von dem soll hier nicht die Rede sein, sondern wir blicken auf das 16. bis 19. Jahrhundert, auf die Frauen der seinerzeit regierenden Welfen.

Elisabeth E. Kwan und Anna E Röhrig erzählen in ihrem Buch zwölf Geschichten von Frauen welfischen Geschlechts beziehungsweise Frauen, die den Welfen nahe waren, als Ehefrau oder Geliebte.

Liebesgeschichten sind das, tragische Geschichten und entsetzliche Geschichten. Man darf sagen, den Damen erging es zumeist nicht gut, weshalb das Buch Spannung und gute Unterhaltung bietet. Nicht zuletzt wegen der lockeren Federn der beiden Autorinnen.

Die Liebesgeschichte schlechthin erzählt selbstverständlich von Victoria Luise (1892–1980), der preußischen Prinzessin, die den land- und thronlosen Herzog Ernst August von Hannover heiratete, und gewissermaßen als Hochzeitsgeschenk erhielt das Paar das Herzogtum Braunschweig. Leider war das Geschenk nicht sonderlich haltbar – im November 1918 ging es verloren. Für die Braunschweiger aber blieb Victoria Luise die Herzogin der Herzen.

Das ist schon oft erzählt worden, weshalb hier andere Schicksale vorgestellt werden sollen.

Der Zarewitsch liebte statt seiner Frau den Alkohol

Zum Beispiel das von Charlotte Christine Sophie (1694–1715), eine der Töchter von Herzog Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel und seiner Gemahlin Christine Luise von Oettingen. Die braunschweigische Prinzessin heiratete am 4. Oktober 1711 den Zarewitsch Alexej, Sohn von Zar Peter I.

Das Paar war mit der Hochzeitsnacht noch nicht recht fertig, da polterte schon der Zar ins Zimmer und ließ sich sein Frühstück servieren, neugierig, ob die Nacht der Nächte wohl erfolgreich war. Wenige Tage nach der Hochzeit schickte der Zar den Zarewitsch monatelang durchs Reich und vergaß die monatlichen Zahlungen für den Unterhalt des Thronfolgerpaares.

Die 17-jährige Prinzessin litt finanzielle Not. Und seelische Not auch, denn wenn der Herr Gemahl und Zarewitsch hin und wieder mal nach Hause kam, dann liebte er statt seiner Frau den Alkohol. 1712 hatte Charlotte Christine Sophie genug und kehrte zurück nach Wolfenbüttel.

Nun kam der Zar persönlich hinterher, machte gut Wetter bei seiner Schwiegertochter und den Schwiegereltern des Zarewitsch. Und wirklich – Charlotte Christine Sophie kehrte nach St. Petersburg zurück. Das ging eine Weile gut, doch dann begann der alkoholkranke Zarewitsch, seine Frau zu schlagen. Es stimmte ihn nicht gnädig, dass er 1714 erstmals Vater wurde. Er vergnügte sich lieber mit einer Mätresse. Und zwischendurch erledigte er seine eheliche Pflicht, weshalb er 1715 zum zweiten Mal Vater wurde.

Charlotte Christine Sophie ist nie Zarin geworden, denn sie starb kaum zwei Wochen nach der Geburt des zweiten Kindes.

Die verhinderte Königin aus Braunschweig

Noch ein Beispiel? Dieses Mal spielt das Drama in England. Georg (1762–1830), noch nur welfischer Prinz, hatte zunächst keine Aussicht, König von England und Nachfolger seines Vaters Georg III. (1738–1820) zu werden. Weshalb des Prinzen Alltag aus Müßiggang und Mätressen bestand. Das kostete viel Geld.

Heimlich heiratete er die bürgerliche Maria Fitzherbert (1756–1837), was streng verboten war, denn die Königskinder durften nur innerhalb des Hochadels heiraten. Schließlich begab es sich doch, dass der inzwischen hochverschuldete Prinz Georg König Georg IV. werden sollte.

Man erinnerte die Königliche Hoheit daran, nunmehr zu heiraten – heimlich war er es schon, aber das wusste ja niemand. Vor allem sollte er reich heiraten – wegen der Schulden. Und legitime Thronfolger sollte er zeugen, jede Menge, wenn es ginge.

Man wählte Karoline Amalie Elisabeth von Braunschweig (1768–1821). Man heiratete. Der Prinz war, mit Verlaub, besoffen. Weshalb auch die Hochzeitsnacht daneben ging. Und der Rest des ehelichen Lebens.

Prinz Georg konnte seine Frau aus Braunschweig nicht ausstehen, was er sie beständig fühlen ließ. Zu seiner Krönungsmesse war sie gar nicht erst eingeladen worden. Die gemeinsame Tochter sollte auf keinen Fall die Mutter erziehen, und erben würde die Mutter rein gar nichts.

Man munkelte von Gift, als die verhinderte Königin starb. Beerdigt wurde sie in Braunschweig.

Elisabeth E. Kwan und Anna E Röhrig ist ein schönes Kabinettstück gepflegten Hofklatsches gelungen. Doch, man darf Klatsch sagen, weil Klatsch unterhaltsam ist.

Aber – bei keiner noch so launig geschriebenen Zeile sollte man vergessen, dass es sich um bittere Geschichte, um bittere Wahrheit handelt.

 

SERVICE:

Buch
Elisabeth E. Kwan und Anna E. Röhrig: Vergessene Frauen der Welfen, Matrix Media Verlag, 196 Seiten, 19,50 Euro

Veranstaltung
Autorenlesung am Dienstag, 17. Februar, im Braunschweigischen Landesmuseum. Beginn 18 Uhr.

Samstag, 14.02.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/9865181/menuid/7534512
epaper

Die elektronische Ausgabe Ihrer Zeitung - Jetzt abonnieren!

[ zum e-paper ]

Videos der Region

Abschied nach 20 Jahren im Kunstatelier der Lebenshilfe

zum Artikel ]

Hier macht der Winter besonders viel Spaß

zum Artikel ]

Vier "Stille Abende" in der Schlosskapelle

zum Artikel ]

Symbole der Solidarität auf die Reise schicken

zum Artikel ]

Schöninger Christen treffen sich

zum Artikel ]

Kammerkonzert wird enden mit der "Kleinen Lachmusik"

zum Artikel ]

Grüne erinnern mit Mahnwache an Atomkatastrophe in Fukushima

zum Artikel ]

Herzog Ferdinand und Friedrich der Große im Streit

zum Artikel ]

Landesbehörde ließ Bäume fällen

zum Artikel ]

Mann stahl Portemonnaie und hob Geld ab

zum Artikel ]

Konkurrenz zur Rübe macht Landwirten keine Angst

zum Artikel ]

Die Stadtbücherei wird immer populärer

zum Artikel ]

Feuerwehreinsatz: Brand im Kellerschacht beim Supermarkt

zum Artikel ]

Wir suchen die schönsten Liebesgeschichten der Stadt

zum Artikel ]