Der Werbe-Manager fürs Ehrenamt
Wilken Petermann erzählt von kostbaren Dingen:
Zeit. Freude. Wissen. Man kann sie verschenken. Aber an wen? Wo? Zu welchen Bedingungen? Petermann weiß es. Er ist Experte für freiwillige Dienste.
Fotografen mag Wilken Petermann nur, solange sie ihm fernbleiben. Nähert sich einer, dann ist das für ihn so, als müsste er eine widerlich bittere Pille schlucken. Aber er tut es. Er beißt die Zähne zusammen, blickt angespannt in die Linse, folgt den Regie-Anweisungen: Ein wenig nach vorn. Gerade sitzen. Bitte lächeln. Etwas mehr. Und nochmal lächeln. Ein bisschen geht doch noch. Und lächeln. Nun versuchen Sie doch bitte, ein wenig mehr zu lächeln.
Nach zwei Minuten hat Wilken Petermann die Fotoaufnahmen für diesen Text hinter sich gebracht. Der Fotograf geht, und Petermann schmunzelt. "Jetzt bin ich zum Lachen ja wieder mal in den Keller gegangen", sagt er. Jahrzehntelang hat er selbst unzählige Menschen vor die Kamera gebracht, hat als Journalist über sie geschrieben, hat sie in die Zeitung und in die Öffentlichkeit geholt.
Inzwischen ist Petermann 64. Das Berufsleben hat er abgehakt – aber nicht die Freude, Dinge zu bewegen. Er hat gesucht, was zu ihm passt, und ist bei der Freiwilligenagentur Jugend, Soziales, Sport fündig geworden, die ihren Sitz in Wolfenbüttel hat.
Freiwilligenagenturen funktionierten so ähnlich wie die Arbeitsagentur – allerdings geht es bei ihnen ausschließlich um ehrenamtliches Engagement, also um zusätzliche Hilfen, die keine Arbeitsplätze ersetzen. Wie bei der Arbeitsagentur gibt es aber auch bei der Freiwilligenagentur Programme und Projekte, die davon leben, dass sie bekannt sind.
Hier kommt nun Wilken Petermann ins Spiel: "Die tollsten Ideen bringen doch erst dann etwas, wenn wir einerseits die Einrichtungen erreichen, die Freiwillige und Ehrenamtliche suchen, und andererseits jene Menschen, die sich dort engagieren wollen." Petermann macht also Werbung fürs Ehrenamt, informiert Zeitungen, Fernseh- und Radiosender.
Zu den Projekten, um die es geht, gehören zum Beispiel die Lesemäuse: Jugendliche und Erwachsene lesen mit Schülern. Oder die Hip-Hop-Jugendwerkstatt: Wenn Jugendliche die Schule oder die Lehre abgebrochen haben, lernen sie dort strukturierte Tagesabläufe und handwerkliche Fertigkeiten. Nach dem Unterricht können sie beim Tanzen ihre eigenen Stärken kennenlernen.
Nun gibt es aber nicht nur Projekte wie diese, die Wilken Petermann bekannt machen will, sondern auch ein neues Programm des Bundesfamilienministeriums: den Freiwilligendienst aller Generationen. Dabei verpflichten sich Menschen, für eine bestimmte Zeit eine ehrenamtliche Aufgabe auszuüben. Im Gegenzug haben sie Anspruch auf eine Weiterbildung und ein Zeugnis.
Petermann ist nun in der gesamten Region unterwegs, um Kommunen und Träger karitativer Einrichtungen über das Programm zu informieren. "Der Bedarf an Ehrenamtlichen wächst enorm – vor allem dort, wo eigentlich der Staat zuständig ist", sagt er. "Dieser Bedarf lässt sich nur decken, wenn man den Ehrenamtlichen etwas bietet – etwa über den neuen Freiwilligendienst. Der Staat kann nicht ständig sagen: Für Ehrenamtliche ist kein Geld da."













